Mittwoch, 16. Mai 2018

Begräbnis Schuldt

Am Dienstag, den 8. Mai 2018, haben wir die sterblichen Überreste von Hans-Joachim Schuldt zu Grabe getragen. Seine Urne ruht nun zusammen mit Ingeborg, seiner vor sieben Jahren verstorbenen Frau, am Münchner Nordfriedhof in Areal 97 Platz 410,

 Ingeborg Schuldt-Britting, geborene Fröhlich 31.7.1918 – 18.10.2011
Hans-Joachim Schuldt 4.3.1920 – 19.3.2018

Hans-Joachim Schuldt hat eine Zwillingsschwester. Sie selbst ist nicht gekommen, dafür eine ihrer Töchter und weitere Verwandtschaft; Vorstände der von ihm und seiner Frau, der Witwe Georg Brittings, gegründeten Britting-Stiftung gaben ihm das letzte Geleit; viele Freundinnen und Freude aus ihrer Oberbayrischen Umgebung waren da zum letzten, traurigen Gruß, ebenso wie zahlreiche engagierte Glaubensgenossen – insgesamt vielleicht fünfzig Trauergäste.
   Nach besinnlichen Noten von einem unsichtbaren Klavier hielt Prof. Dr. Sigmund Bonk, der Vorsitzende der Britting-Stiftung, eine sehr persönliche Würdigung seines Freundes Schuldt. Von ihm hat er die Stiftung übernommen. Der alte Herr Schuldt war ihm – wie uns allen – sehr ans Herz gewachsen. Dann sprach ein Zeuge Jehovas, der später auch die Rede am Grab hielt, und verband sein Leben, seine Erlebnisse mit der Ewigkeit.
   Hernach wurde die Urne zum Grab getragen und der Erde übergeben. Wir konnten uns nocheinmal verabschieden, mit Gottes strahlendem Himmel über uns.
   Die Stiftung hatte in eine nahe Pizzeria eingeladen. So konnte man sich ein wenig kennenlernen und noch einmal die persönlichen Erlebnisse mit »unserem« Herrn Schuldt austauschen. Schade, dass er nicht noch einmal stirbt, dachte ich: Wir hätten uns gerne wieder sehen können. So warten wir – wie Schuldt uns zuletzt in seinem Vermächtnis noch zugerufen hatte – im Glauben an ein freudiges Wiedersehen am Jüngsten Tag.

Bilder vom Begräbnis finden Sie auf www.Britting.De/Begraebnis_Schuldt

Seine Todesanzeige mit einigen Bildern steht auf
 http://brittingblog.blogspot.de/2018/03/hans-joachim-schuldt-19.html
im Rahmen des Blogs http://brittingblog.blogspot.de,
zu erreichen auch über www.Britting.De Aktuelles.

Fritz Jörn (Fritz@Joern.De), 16.5.2018, korr. 25.5.2018

Link hierher: http://j.mp/2IpCvve =
 https://brittingblog.blogspot.com/2018/05/begrabnis-schuldt.html

[Anm.f.mich https://youtu.be/3LCTfWK7pFk https://youtu.be/B7J8QLxAlMg]

Dienstag, 17. April 2018

Eiswein

Eine Sprachübung
Von Hans-Joachim Schuldt, 4. März 1920 – 19. März 2018,  posthum also

Foto Jörn
Ich sei eine Spätlese, behauptete ein sonst wohlmeinender Freund, der mich besucht hatte.
   E
r ist einer von jenen, mit denen man vortrefflich und auf ordentlich gehobenen Niveau streiten kann und sich versöhnen. Wobei ich immer das Gefühl habe, am Ende wird er
zu guter Letzt recht behalten haben – oder keiner von uns, sonst wer oder ein anderer. 
   Bis dahin »bedarf es oft eines langen Kampfes«, gespreizt gesprochen, ein wenig weinselig, bereits und doch voll heißlaufender Kampfeslust trotz gekühlter Temperierung. Also das alles vollzieht sich nicht im hitzigen Gefecht – was nicht ausschließt, daß*) die Wogen auch mal Schaumkronen tragen. Aber wie bei Ebbe und Flut fließt das brandende Wasser unterdessen unter diesen wieder glatt und mäßigend zurück. Oder irgendwie so.
   Jetzt aber, nach dem Spätleseanwurf, galt es ihm zu widersprechen: 
   »Eine Spätlese, mein lieber Freund, die bin ich nicht, da irrst du ganz gewaltig – wie kommst’n auf so eine Idee?« 
   »Das ist doch ganz einfach«, sagt’r, »bedenke: ›In Vino Veritas‹, du hast sie (wen oder was frag’ ich mich) spät gefunden, und so bist du eben eine Spätlese.« 
   »Aber, mein Lieber, Veritas liegt nicht nur in einer Spätlese, sondern auch in allen anderen Stadien und Prädikaten«, gab ich zu bedenken, etwas vage zwar, aber doch. 
   Bis er dann sagte: »Aber ein ›Heuriger‹ bist du doch nun wirklich nicht!«.  
   Dem habe ich dann zugestimmt, aber mit dem Hinweis, daß das auch für den der Veritasspruch gilt. 
   Wir hatten nun alle Prädikate von Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese bis zum Eiswein für einen passenderen Begriff für meine Person durchkostet (bittesehr: symbolisch nur) und hatten uns dabei angehört, was Georg Britting in seinem »Lob des Weines« zum Thema zu sagen wußte, und das soll allhier nicht verschwiegen bleiben, weinselig oder schon beduselt..

Weißer Wein, der unruhig übers Glas drängt, 
Perlend wie der Wortschwall der Mädchen, wenn sie 
Aug’ in Auge mit dem Ersehnten ihre 
Liebe verbergen,

Honigfarbner, koboldisch glühend, wenn der 
Taumel rast bei Hochzeit und Taufe, mondschein- 
Gelber, zarter, voll von Empfindung wie der 
Vers eines Dichters,

Und der grüne, Hoffnungen weckend, grün wie 
Morgenduft des kommenden Freudentages, 
Ist der rechte Trunk für die Jugend, für die 
Glänzenden Männer.

Doch der rote, Herz und die Glieder wärmend, 
Dunkler, aus der Landschaft Burgund, der süßen, 
Oder sanfter Wein von Bordeaux gehört den 
Späteren Tagen,

Der schon still verzichtenden Weisheit - nicht zu 
Sprung und Taten reizt er das alte Blut, er 
Gibt ihm, das schon langsamer hinrollt, Kraft und 
Schönes Gefälle,

Macht das ungesellige Zimmer rosig, 
Bringt die schon gegangenen Freunde wieder: 
Glück des grauen Hauptes, das einsam hinlebt, 
Labsal des Alters!   

Ein passendes Prädikat für die gesuchte Bezeichnung einer Person war auch hier nicht zu finden, nur zwei passende Zeilen – es sind die beiden letzten  – die aber geben keine Namensbezeichnung. 
   Mein Freund hatte das mit einem alten Rotwein gefüllte Glas erhoben, hielt es nachdenklich gegen das Licht und bemerkte plötzlich »das Glas hatte ja einmal einen Goldrand«, »verwehte Spuren glücklicher Zeiten« sinnierte er poetisch, mir hingegen lief es eiskalt über den Rücken, nie hatten wir Gläser mit Goldrand, immer nur glasklare ungeschliffene, um dem Wein nicht den optischen Reiz zu rauben! So hob denn ich auch mein Glas – und oh Wunder, auch er wies Spuren der goldenen Vergangenheit auf! Auf die tranken wir, im goldenen Licht alter Zeiten stiegen sie empor – weintrunkene Erinnerungen. 
   Als es mir so eiskalt über den Rücken lief, fiel mir ein passendes Prädikat ein: Eiswein! Ja, der passt! Er ist die Endstufe. Es sind die Trauben der Beerenauslese, die so lange am Rebstock bleiben müssen, bis sie bei Dauerfrost von mindestens 7° gefrieren. Es zeichnet sie eine harmonische Balance von reifer Fruchtsüße und animierender frischer Säure aus, und »ein wenig Bitteres darf in allem sein«! http://www.britting.de/gedichte/4-110.html
  Die Ränder unserer Gläser verfärbten sich an diesem Abend noch mehr, es war ein harmonischer Abend – ich habe ihn jedoch nicht so genossen, wie ich es getan hätte, wären nicht Spuren vom Goldrand zu sehen gewesen, wie jetzt, da er gegangen ist und ich die Gläser gründlich abgewaschen habe. 
   Es bestätigt sich hiermit wieder, was Britting sagte: »Kein Bild ist Betrug«! http://www.britting.de/gedichte/4-110.html 
[Gedanken zu Brittings Windlicht und dem betrügerischen Bild hier:
http://blogabissl.blogspot.com/2017/05/brittings-windlicht.html ]

Hans-Joachim Schuld,
vormals Wendelsteinstr. 3, 83101 Höhenmoos

Url: www.britting.de,
genaugenommen die Schuldt’sche http://www.britting.de/index.htm


*) Hab ich ausnahmsweise nicht wegkorrigiert, Schuldt war ein »Alt-Schreiber«, fj  

Permalink http://j.mp/2HyhT6X =
 https://brittingblog.blogspot.com/2018/04/eiswein.html

Dienstag, 10. April 2018

Die Geschichte der Britting-Website

http://www.Britting.De

Die Britting-Website gibt es seit Anfang der Nullerjahre. Im Rahmen der Darstellung deutscher Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts ist sie einzigartig: Das gesamte Werk Georg Brittings (1891 – 1964) ist wiedergegeben, samt Kommentaren und Sekundärliteratur. Vergleichbare öffentlich zugängliche, vollständige Werkpräsentationen beispielsweise von Bert Brecht oder Erich Kästner sind mir nicht bekannt. (Dafür sorgt schon das literaturfeindliche Urheberrecht.)
   Brittings Witwe (1918 – 2011), links im Bild, und ihr kürzlich verstorbener zweiter Ehemann Hans-Jochim Schuldt (1920 – 2018) hatten sich gleich zu Beginn des öffentlichen Internets Ende der Neunzigerjahre daran gemacht, die Werkausgabe Brittings, 23 Bände, zu digitalisieren. Weil die gedruckte Ausgabe nicht als PDF vorlag, wie das heute vielleicht der Fall wäre, mussten die beiden Seite für Seite einscannen und maschinell optisch lesen, nachkorrigieren, digital wandeln und auf eine selbstentwickelte Website bringen, die zunächst noch ausschließlich Britting.com hieß. Das .com deutete darauf hin, dass die Site schon damals zwar nicht kommerziell aber international ausgerichtet war. Sie finden sie weiterhin auf

http://www.britting.de/index.htm (»alte Britting-Website«).

Mit ehrenamtlicher Hilfe von Dr. Bernhard Betz und mir wurden damals noch schwierig einzuarbeitende Elemente eingefügt, etwa vom Bayerischen Rundfunk brillant aufgenommene Lesungen Georg Brittings (siehe »Vertonungen«), und so der Öffentlichkeit und der Nachwelt übergeben. Erstmals wurde eine für Webauftritte so wichtige Suche eingebaut, kostenlos.
   Die Familie von Michael Britting aus Oberhausen hat uns dann auf mein Bitten im Jahr 2009 großzügig die Site mit der Endung .De, Britting.De, geschenkt, die in der Folge zur primären Zugriffsseite des digitalen Brittings wurde. Eine unverlinkte Seite zeugt noch heute davon.
   Mit dem Übergang des Erbes Georg Brittings an die 2007 gegründete »Georg-Britting-Stiftung« begann eine behutsame, aber stetige Weiterarbeit am »digitalen Britting«, besonders nach der Verlegung der Stiftung nach Regenstauf bei Regensburg, Brittings Heimatstadt.
   Brittings Werk wurde 2015 von Lena Riess ehrenamtlich korrekturgelesen und für die unterschiedlichen digitalen Lesegeräte (“Reader”) verfügbar gemacht, hier auf http://www.britting.de/ebooks/ ein Überblick. Dort stehen die vermutlich korrektesten Kopien.
   Ein Versuch, Georg Britting, den großen alten Dichter, über Facebook zu propagieren, scheiterte an der konkurrierenden Anzahl heute lebender Facebook-aktiver Georg Brittings … Georg Britting muss man nicht »liken« …
   Der heutige »Neuauftritt« Brittings im Web entstand 2017 von www.creatiomm.de und erfreut sich hoher Beliebtheit.
   Weitere Arbeiten an der Site sollten sich anschließen. Eine große Aufgabe wäre, die Site für Smartphones geeignet zu machen, und eine zielführende Suche über alle Inhalte einzuführen. Für heutige Leser wäre sanft auf »neue« Rechtschreibung zu wandeln, zumal in aktuellen Schulbüchern selbstverständlich »neu« schriftgesetzt wird, damit der moderne Leser bei Brittings Dichtungen und Prosawerken nicht durch störende, vom Dichter ungewollte und altertümliche Auffälligkeiten irritiert wird. Hier eine Anleitung dazu.
   In der Wikipedia meines Erachtens tendenziöse Darstellungen Brittings im Dritten Reich zu korrigieren, gelang mir trotz intensiven Bemühungen nur sehr teilweise; hier ein Dossier dazu. Wie fast alle moderne Medien zieht sich die Wikipedia hinter Zitate anderer Meinungsbildner zurück und gestattet keine Plausibilisierung oder gar Nachprüfung der berichteten »Fakten«.
   Schließlich: Dieser »Britting-Blog« hier harrt weiterer aktiver Mitgestalter …
und ist hier nachzulesen:
   Permalink: http://j.mp/2J8g7GW =
https://brittingblog.blogspot.com/2018/04/die-britting-website.html,
generell auf: https://brittingblog.blogspot.com/

Fritz Jörn,
 vormaliges Mitglied des Vorstandes der Britting-Stiftung, Fritz@Joern.De

Übrigens: »Mein« primärer Blog über www.Joern.De/Blog

Freitag, 23. März 2018

Hans-Joachim Schuldt †

Hans-Joachim Schuldt  4. März 1920 – 19. März 2018 – 98j
4. März 2018 am Chiemsee mit einer Freundin (aus seiner Mail vom 11.3., siehe unten)
Hans-Joachim Schuldt ist verstorben
   Am 19. März 2018 verstarb der Gründer und Ehrenvorsitzende der Georg-Britting-Stiftung, Herr Hans-Joachim Schuldt aus Rohrdorf-Höhenmoos am Chiemsee. Herr Schuldt wurde in großer geistiger Frische und ungebrochener Kreativität 98 Jahre alt.
Wir trauern um einen großen Wohltäter, um eine echte Persönlichkeit und einen väterlichen Freund. Wir werden Herrn Schuldt immer ein dankbares Andenken bewahren. Möge er ruhen in Frieden.
   Für den Vorstand
Prof. Dr. Sigmund Bonk, Vorsitzender

Albert Ringahandl, Professor Dr. Sigmund Bonk und Hans-Joachim Schuldt
am 20. September 2012 in Regensburg

Hans-Joachim Schuldt, 14. August 2017 in seiner Wohnung
http://bit.ly/2xfNykL, kurze Sprechprobe auf http://j.mp/2FWYjkR (Video)

Das Gedicht findet sich in »Petit Fours« von Hans-Joachim Schuldt, 
www.britting.de/grafiken/Aphorismen.pdf#page=62

Aus einer von Herrn Schuldts letzen Mails:
Betreff: Retourkutsche, Datum: Sun, 11 Mar 2018 18:10:11 +0100

März

In jedem Jahr, seit wir im Chiemgau lebten,
stand Anfang März ein kleiner Strauß
von Märzenbechern auf meinem Frühstückstisch.
Den hatte meine Frau für mich gepfückt.

Noch immer blühen sie im Garten,
jedoch – der Tisch bleibt leer.
Noch immer grüßen sie als Frühlingsboten.
Nur – die liebe Frau – die gibt es nimmer mehr.

Es könnt ja sein, dass irgendwann sie wiederkommt,
dann werd’ ich sie daran erinnern.
Wenn jedes Jahr die Märzenbecher wieder kommen,
warum denn nicht auch sie?

… mit sonntäglichem Gruß vom nunmehr 98-jährigen Hans, der nun so aussieht:
[Das folgende Bild am Chiemsee ist hier ganz oben wiedergegeben. fj]
   Email von Hans-Joachim Schuldt

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Bericht über das Begräbnis auf http://j.mp/2IpCvve

Permalink hierher http://j.mp/2J64EHQ =
http://brittingblog.blogspot.de/2018/03/hans-joachim-schuldt-19.html






 


Meine letzte Aufnahme von Herrn Schuldt am 1. Februar 2018 im Gasthaus Post in Rohrdorf am Inn, wo er gerne zu Mittag aß.

Dienstag, 18. Juli 2017

Man schreibt sich keine Briefe mehr –

– meint unser alter Freund und Britting-Kenner –
Es gab Zeiten in der Menschheitsgeschichte, da schrieb man sich Briefe. Damals gab es Papier und Federhalter, Bleistift, Füller (»Füllfederhalter«) und oder Kugelschreiber, mit denen man seine Gedanken zu Papier brachte und durch einen Postboten zum Empfänger.
   Dieser, wenn es ein höflicher, gut erzogener Mensch war und des Schreibens kundig, erwiderte den Brief innerhalb wenigstens dreier Tage [höchstens, höchstens! Nur im 16. Jahrhundert lernten die Leute erst bloß das Lesen. Schreiben war aufrührerisch. – d.Red.]
   Zum Inhalt gab es bestimmte Regeln, die einzuhalten es sich gehörte.
   Es gab damals noch Briefumschläge im DIN-Format und Briefmarken, die drauf zu kleben waren, feucht, damit auch der Staat, dem die Post gehörte, von der Kommunikation profitierte. Nutzten doch nicht alle Briefe das volle Briefpotential von zwanzig Gramm. Die Differenz war der Gewinn der Post – meint der Rezensent.

Ungezählt sind diese Briefe und ihre Abart, die schneller und flüchtiger verfassten Ansichtskarten, worauf jeder lesen konnte, wie’s Wetter war, und dass es einem gut geht. Das waren Vorboten künftiger Kommunikation. Die mussten dann nicht beantwortet werden.
   Für wirklich eilige Nachrichten und Gratulationen gab es noch das Telegramm, frankophil Depesche genannt, für das sich eine eigene Form der Kurzsprache entwickelt hatte, kostete doch jedes einzelne Wort Geld. (Mehr hier.)
   Die Technik entwickelte danach den Fernschreiber und das Fax, bevor sie mit der elektronischen Datenverarbeitung eine Revolution der Kommunikation einläutete.
   Der Weg führt über die Erfindung des Internets und des Handys zum heute gebräuchlichen Smartphone, in dem sich alles vereint, was der Mensch erfahren oder mitteilen will – und das mit allen Sinnen, außer halt dem des Riechen.
   Diesen Geräten jedoch muss die Evolution noch folgen, um die menschliche Hand adäquat touchscreengerecht und tastenformatig umzugestalten. Bis dahin bedient man sich der Smileys. (Pardon, ich bin ein Zombie und habe an der Stelle, wo die zu erreichen sind, noch ein Mikrophon aus Zeiten der Diktatur. »Fräulein, zum Diktat bitte!«. Des Fräuleins bedarf es nicht mehr, ’s gibt auch keine mehr.) 

Zurück also zum Smiley (s.a. hier). 
   Man schreibt nicht mehr umständlich: »Ich bin traurig oder lustig oder sonst wie gestimmt«. Mit einem einzigen Zeichen deutet man das optisch an. Warum man dies oder jenes ist, und wie es dazu kam, ist doch egal (gibt’s auch dafür ein Smiley?), und Zeit hat man ohnehin nicht mehr, die frisst das Smartphone.
   Nun will ich nicht davon sprechen, dass früher alles besser war, sondern davon, was uns erwartet nach jüngsten Pressemeldungen. Erstens, dass die Entwicklung kurz vor dem Abschluss steht, auch Gerüche elektronisch zu vermitteln, z.B. mit dem »oPhone». Damit bekommt dann der Satz: »Ich kann dich nicht riechen!« oder umgekehrt endlich seinen Sinn. Auch das von der Werbung so gern gebrauche »mal schnuppern« wird Realität. 

   Aber es kommt noch dicker. Die moderne Computertechnik (»Technologie«!) hat eine Methode entwickelt, die die Gedanken des Kommunizierenden verrät. Wer also tippt: »Ich freue mich schon auf dich«, oder das entsprechendes Smiley dafür verwendet, dem – also dem anderen, dem Empfänger [die Red.] – wird akustisch vermittelt, was sich der Tipper wirklich gedacht hat.
   So wird es denn sein, dass ihr hören könntet, was ich jetzt denke!
   Wie war doch das Thema dieses Blogs – so nennt man heute so einen Text – denn: »Man schreibt sich keine Briefe mehr.«
   Wen wundert das?
   Fragt bestürzt von seinen Gedanken euer alter Hans-Joachim Schuldt, der seit vielen Tagen weder Briefe noch Mails erhält. [Ist übrigens nicht ganz wahr, gell! – der Red.]


Link hierher:
https://brittingblog.blogspot.com/2017/07/man-schreibt-sich-keine-briefe-mehr.html

Dazu auch: NZZ, 14.7.2017: »Schöne, neue Telekom-Welt«

Montag, 30. November 2015

Zäsur – Es geht neu los!

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Ausnahmsweise in eigener Sache.
   Bis dato nannte sich dieser Blog: Freunde Georg Brittings. Der Blog berichtete von seinem größten und netztechnisch wichtigsten Freund, Hans-Joachim Schuldt, dem Initiator und Erbauer der Britting-Website Britting.De, die damals noch Britting.com hieß. Schuldt hatte die Witwe Britting geheiratet und mit ihr und mit unendlicher Liebe den ganzen, guten Britting ins Web gesetzt. Inzwischen ist er Jahre alt. Gott geb’ ihm langes, langes Leben – aber keine Arbeit mehr fürs Netz …
   Neu gibt es Brittings Werke für kleine, tragbare elektronische Lesegeräte, für Reader. Wie von der ganzen Britting-Site kann man Britting-Werke zum privaten Gebrauch kostenlos herunterladen. Die E-Buch-Formate E-Pub und Mobi finden Sie hier. Wir verdanken das Frau Lena Riess.
   Jüngst ist auch ein lebhafter Facebook-Eintrag entstanden, hier. Da danken wir Frau Julia Wächter.
   Ich selbst, , will als Moderator langsam aussteigen. Und ich danke all meinen p.t. Lesern.
   Fritz Jörn

Dieser Eintrag: http://brittingblog.blogspot.com/2015/11/zasur-es-geht-neu-los.html
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Sonntag, 9. Februar 2014

Lebenszeichen 2014

Ein Lebenszeichen, oder wie man früher sagte: »Meldung machen«.
   Unser Freund Brittings hat sich neue Augen machen lassen und dann gleich dazu ein neues Auto gekauft. Kaum sieht einer scharf, sieht er, wie alt die alte Karre ist – ein Nissan, mit 15 Laufjahren auf dem Buckel. Vor allem steigt man in gewisse neue Modelle, angefangen von der Mercedes A-Klasse bis zu Geländewagen aller Art, in die steigt man einfach würdiger ein. Es muss ja nicht immer ein Ferrari sein, vor dem man am besten erst einen kleinen Teppich ausbreitet, sich darauf hinkniet, und dann versucht, irgendwie ins Innere zu dringen (und dort möglichst lange bleibt). Lauter Gnome, diese Ferraristi.
   Der neue Renner ist ein Hyundai ix-20, wie zum Beispiel hier zu sehen. Der stolze Neuwagenbesitzer hatte dieser Redaktion ein Lichtbild mitgeliefert, das dann Googles Bildersuche eindeutig identifiziert werden konnte. Soviel zur Technik, und nun zur modernen Technik des Wages: Der ist ausgestattet mit vier Rädern, die ihren Meister zwischen Chiemgau und Allgäu auch des Winters wohl befördern. Gegenwärtig weilt er im Allgäu, genießt wieder einmal Frühling, wenn schon nicht bezüglich Schnee so doch gefühlsmäßig, und macht sich liebevoll nützlich als hochgeschätzter und ebenso betagter Begleiter.

Unvergessen ein Ausflug zum Hochgrat (1834 m) mit der Hochgratbahn, einer Kleinkabinenluftseilbahn. 
Blick ins Tal von der Hochgratbahn                                              Foto Schuldt
Etwas weiter links, mehr gen Süden, hätte man an so einem klaren Tag den Bodensee sehen können, hier ein entsprechendes Bild mit sommerlichen Morgenrot aus einer Aufstiegsbeschreibung. Von der Schuldtschen Auffahrt ist leider nichts weiter bekannt. Fakten, Meister Schuldt, Fakten wollen wir, nicht nur Anekdoten!
   Obwohl auch die pläsieren, wie diese.

Der Schal 
   Wangen ist eine kleine Stadt im württembergischen Allgäu. Von einer dicken Stadtmauer umgeben ist sie durch mittelalterliche Tore zu erreichen. In Wangen pulsiert noch ein nicht vom Tourismus verdorbenes urbanes Leben. Dort hat denn auch ein Augenarzt sein Domizil, zu dem mich meine Freundin »Mama« bringen wollte. Um meinen beiden 93 Jahre alten Beinen einen allzulangen Anmarsch zu ersparen, ward eine nah gelegene Anfahrstelle gesucht und gefunden. Meine Freundin fuhr mich an eine Stelle, an der die Weiterfahrt durch ein Verbotsschild untersagt ist. Dort, kurz haltend, ließ sie mich aussteigen und wies mir den nicht weiten Weg, den ich, auf meinen Stock gestützt, wohlan beschritt.
Die Herrenstraße in Wangen, autofrei,
auf einer historischen Postkarte, selbst aufgefrischt,
also wohl erlaubtermaßen hier publiziert
   Nun hatte mir bei der Abfahrt die stets um meine Gesundheit Besorgte einen schönen, langen Schal um den Hals gewunden, den ich beim Aussteigen eigentlich ablegen wollte, der aber an mir hängen blieb, was sie, aber nicht ich, bemerkte. Also rief sie mir etwas nach, was zwar ich mit meinen schlechten Ohren nicht verstand, wohl aber eine vor mit durch die Herrenstraße schreitende Dame. Sie sah sich um, musterte mich zu meinem Erstaunen ganz freundlich und legte mir sodann mit einem bezaubernden Lächeln den Schal um den Hals. – »Kaschmir«, sagte sie anerkennend (zum Schal, weniger zu mir), und ich verstand »Catch me«. – Was ich dann aber doch nicht getan habe. Ich musste ja zum Augenarzt. 
Winterlicher Blick von Sulzberg gen Süden                                                                     Foto Sutter
Zurück in die Gegenwart. Nicht weit ist es von hier Sulzberg. Da kann man in tausend Meter Höhe auf der Terrasse eines Restaurants in der Sonne sitzen, eine bereit liegende Decke über den Knien, und still und staunend das Alpenpanorama genießen, dazu – wer mag – einen hinreißenden Apfelstrudel mit heißer Vanillesauce. Burg Sulzberg, von der Wikipedia aus gesehen. Genaugenommen aus Südosten.
   Das ist’s, was mich glücklich macht – und nicht der Lärm der Welt. Und sitzt dann noch ein Mensch neben einem (es darf auch eine Frau sein) und legt einem für­sorg­lich einen Schal um den Hals, auf dass man ja nicht friere, da wird’s einer »alten (in­zwi­schen bayr.) Haut« ganz warm ums ♥.

Zum Abschluss und Ausblick noch ein »Selfie« aus Bregenz – natürlich »Foto Schuldt«!